Empfehlungen für das richtige Pflanzgut und Pflanzsortiment
Forstpflanzen 1x1

Mit der Auswahl des richtigen Pflanzgutes beginnt die erfolgreiche Verjüngung. Nutzen Sie standortgerechte Baumarten. Diese garantieren ein optimales Wachstum und eine langfristige Stabilität der neuen Wälder. Achten Sie in jedem Fall auf die richtige Herkunft des Pflanzgutes. Zum Beispiel haben eine Flachlandfichte und eine Hochlagenfichte unterschiedliche, an ihre Region angepasste Kronenformen. Mit ihrer breiten Krone würde die Flachlandfichte in Hochlagen schnell durch Schneebruch geschädigt.

Herkunft des Pflanzgutes

Verwenden Sie auch im eigenen Interesse nur Pflanzgut, das den gesetzlichen Vorgaben entspricht.
Forstvermehrungsgutgesetz (FoVG)
Das Forstvermehrungsgutgesetz (FoVG) sichert unter anderem durch die Zulassung geeigneter Saatguterntebestände und die Kontrolle der Pflanzenproduktion sowie des Handels die Versorgung mit hochwertigem Saat- und Pflanzgut.

Herkunftsempfehlungen

Die aktuellen Herkunftsempfehlungen geben ihnen Auskunft über die geeigneten Herkünfte für ihren Wald. Die Verwendung dieser empfohlenen Herkünfte ist Voraussetzung für die Förderung Ihrer Verjüngung. Die Verwendung von zertifizierten Saat- und Pflanzgut ist darüber hinaus eine wichtige Voraussetzung einer möglichen Zertifizierung Ihrer Waldbestände.

Herkunftsempfehlungen - Bayerisches Amt für Forst- und Pflanzenzucht Externer Link

Herkunftssicherung durch Zertifizierung

Die Herkunft einer Forstpflanze kann über ein System von Rückstellproben und genetischen Analysen gesichert werden. Diese Überprüfung gewährleistet die innere Qualität einer Forstpflanze hinsichtlich ihrer Angepasstheit und der Ausbildung forstlich wichtiger Merkmale. Am Forstpflanzenmarkt bestehen zwei Systeme zur Zertifizierung der Herkunftssicherheit (ZüF - Zertifizierungsring für überprüfbare Forstliche Herkunft Süddeutschland e.V. und FfV - Forum forstliches Vermehrungsgut e.V.), die von den beiden Wald-Zertifizierungssysteme PEFC und FSC als Standards bei der Pflanzenbeschaffung gefordert sind.

Nachhaltigkeit und Zertifizierung in der Forstwirtschaft

Qualität der Forstpflanzen

In Bündeln zusammengefasste Setzlinge sind im Erdreich eingraben.Zoombild vorhanden

Ein Pflanzeneinschlag ist schnell angelegt und schützt das Pflanzgut
(Foto: J Böhm)

Forstpflanzen werden meist als wurzelnackte Pflanzen verkauft. Dies erfordert eine große Sorgfalt bei Transport und Lagerung, um ein Austrocknen der Pflanzen zu vermeiden. Vor allem die Wurzeln sollten beim Transport immer bedeckt sein. Als zusätzlichen Verdunstungsschutz empfiehlt es sich, die Wurzel von der Baumschule in ein Wurzelschutzgel (zum Beispiel: GEFA, Witalgin) tauchen zu lassen. Nach Anlieferung des Pflanzgutes, sollte dieses bei nicht sofortiger Verwendung in einem Bodeneinschlag zwischengelagert werden.

Eine Alternative zu wurzelnackten Pflanzen sind Ballen- und Containerpflanzen. Die Wurzeln sind hier besser vor dem Austrocknen geschützt. Bei besonders empfindlichen Baumarten wie zum Beispiel der Douglasie und Lärche sind sie besonders zu empfehlen.
Qualität von Pflanzgut einschätzen

Führen Sie immer ein Pflanzenübernahmeprotokoll bei der Übernahme von Pflanzgut. Kontrollieren Sie die Angaben im Lieferschein und öffnen Sie einige Bündel zur Überprüfung der Qualität. Folgende Kriterien sollten die angelieferten Pflanzen erfüllen:

  • Wurzel: Hoher Feinwurzelanteil, vital und saftführend, keine Trocknungsschäden, keine Deformationen, gut ausgebildete Hauptwurzel
  • Spross: Geradschaftig und wipfelschäftig, kein deutlicher Knick, ohne erkennbare Trocknungserscheinungen oder Frostschäden, keine offenen Verletzungen, Narben, Brüche, Schnittwunden oder Quetschungen
  • Äste und Zweige: Art- und altersspezifisch ausgebildet
  • Knospen: Ausgereift, gesund, geschlossen, vital
  • Frische: Keine Zeichen von Erwärmung, Gärung, Fäulnis, kein Nadelabfall, keine trockene Feinwurzeln
  • Gesundheit: An allen Teilen frei von Krankheiten, Pilzen, Insekten, Schädlingen und Faulstellen
Erfüllen die Pflanzen die Qualitätsmerkmale nicht, können Sie die Lieferung reklamieren. Zu empfehlen ist eine Sammelbestellung von Forstpflanzen über einen Forstwirtschaftlichen Zusammenschluss.

Forstliche Zusammenschlüsse in Bayern

Das richtige Pflanzsortiment

Zu einem Bündel zusammengeschnürte Buchenpflanzen liegen auf dem WaldbodenZoombild vorhanden

Forstpflanzenbündel
(Foto: J. Böhm)

Das Pflanzsortiment verrät Ihnen, wie oft eine Pflanze in der Baumschule verpflanzt wurde, sowie ihr Alter und ihre Größe. Die Angabe 2+2 oder 2/2 bedeutet, dass die Pflanze vier Jahre alt ist und zwei Jahre im Saatbeet sowie zwei Jahre im Verschulbeet war.

Die Größe der Pflanze richtet sich nach den Bedingungen auf der Pflanzfläche. Kleine Pflanzensortimente von 30-50 cm und 50-80 cm zeigen in der Regel bessere Anwuchserfolge als größere Pflanzen. Auf Flächen mit stark entwickelter Konkurrenzvegetation sind jedoch größere Pflanzen zu empfehlen.
Empfehlungen für Pflanzsortimente
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
Laubbäume
Buche 2-jährig 2+0 Pflanzgröße 30-50 cm 3-jährig 1+2 Pflanzgröße 50-80 cm
Eiche 2-jährig 2+0 Pflanzgröße 30-50 cm 3-jährig 1+2 Pflanzgröße 50-80 cm
Bergahorn, Spitzahorn, Esche, Linde 2-jährig 2+0 oder 1+1 Pflanzgröße 30-50 cm 2-3-jährig 1+1 oder 1+2 Pflanzgröße 50-80 cm oder 80-120 cm
Nadelbäume
Weißtanne 4-jährig 2+2 Pflanzgröße 15-30 cm 4-jährig 2+2 Pflanzgröße 20-40 cm
Europäische Lärche 2-jährig 1+1 Pflanzgröße 30-50 cm 2-jährig 1+1 Pflanzgröße 50-80 cm
Douglasie 2-jährig 1+1 Pflanzgröße 30-50 cm 3-jährig 1+2 Pflanzgröße 40-70 cm
Fichte 3-jährig 2+1 Pflanzgröße 30-50 cm 4-jährig 2+2 Pflanzgröße 40-70 cm
Kiefer 2-jährig 2+0 Pflanzgröße 15-30 cm

Alternative

Wildlinge aus dem eigenen Wald verwenden

Waldboden mit jungen AhornpflanzenZoombild vorhanden

Naturverjüngung von Ahorn eignet sich zur Wildlingsgewinnung
(Foto: J. Böhm)

Eine Alternative zum Pflanzgut aus Baumschulen ist die Gewinnung von Wildlingen im eigenen Wald. Wildlinge sind Pflanzen aus Naturverjüngung, die an anderer Stelle wieder eingesetzt werden. Soweit Sie diese nur für den Eigenbedarf verwenden, unterliegen sie nicht dem FoVG. Gute Ergebnisse lassen sich mit Wildlingen bei Buche, Tanne und Edellaubäumen erzielen.

Vorteile der Wildlinge sind, dass sie gut an den Standort angepasst sind und umgehend frisch wieder gepflanzt werden können. Die Beschaffungskosten sind niedrig und die Pflanzen sind ständig im eigenen Wald verfügbar.

Wildlinge verfügen aber nur über einen begrenzten Einsatzbereich. So sind sie für Freiflächen oder Standorte mit Konkurrenzvegetation nicht geeignet. Bei richtiger Auswahl und sorgsamer Handhabung sind sie jedoch, insbesondere auf kleinen Pflanzflächen, eine kostengünstige Alternative für den Voranbau oder Unterbau. Besonders bei großfrüchtigen Baumarten wie Eiche und Buche sollten die Wildlinge über den ganzen Waldbestand verteilt geerntet werden, um die Nachkommen möglichst vieler Elternbäume zu verwenden.

Weitere Informationen

Zeichnung eines bayerischen Forstbeamten (Grafik: N. Maushake)
Unser Tipp:

Fragen kostet nichts! Unsere Beratungsförster/innen helfen bei Fragen zu Forstpflanzen gerne weiter. Mit unserem praktischen Försterfinder können auch Sie schnell Ihren zuständigen Förster finden.  

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