Abies alba
Die Weißtanne

Wald aus Weißtannen

(Foto: G. Aas)

Der finstere und gefürchtete Wald vieler Märchen und Sagen ist untrennbar mit der Tanne verbunden. Nicht von ungefähr kommt dieser Zusammenhang, zählt die heimische Weißtanne mit der Buche zu den schattentolerantesten Baumarten. Entsprechend dunkel sind auch die Bestände in denen sie auftritt. Da die Weißtanne geduldig auf ihre Chance warten kann, lässt sich sie sich gut unter den Kronen der alten Bestände natürlich verjüngen. Ebenso ist sie eine ausgezeichnete ertragreiche Mischbaumart, die gerade Stämme und gutes Holz erzeugt.

Insbesondere in den Hanglagen von Mittel- und Hochgebirgen sollte wieder verstärkt auf die Weißtanne gesetzt werden.

Weißtannen haben bis zu 65 Meter hohe, mächtige Stämme und werden bis zu 500 Jahre alt. Ihre Nadeln stehen gescheitelt vom Trieb ab, sind weich, stumpf und glänzend. Die Oberseite ist dunkelgrün, an der Unterseite etwas heller mit zwei markanten weißen Streifen. Tannenzapfen stehen auf den Zweigen und werden handlang.

Wenn sie reif sind, lassen sie ihre Schuppen fallen, die Spindel bleibt auf dem Ast stehen. Die Rinde ist in der Jugend hellgrau und glatt und wird im Alter dunkler und schuppiger. Die Weißtanne bildet ein tiefgehendes Pfahlwurzelsystem aus.

Ansprüche der Weißtanne

Die Weißtanne ist eine eher anspruchsvolle Baumart, wobei die gute Wasserversorgung wichtiger ist als die Nährstoffversorgung über den Boden.
Die Ansprüche im Einzelnen
  • Licht
    • kann extremen Schatten ertragen
    • gedeiht auch bei kleinsten Lichtmengen unter dem Altbestand
  • Wasser
    • gute gleichmäßige Wasserversorgung notwendig
    • keine extrem trockenen oder ganzjährig staunassen Böden
  • Boden
    • mittlere bis gute Nährstoffversorgung
    • am besten auf basenreichen, nährstoffreichen, frischen und humosen Böden
  • Klima
    • kühles feuchtes sommerwarmes Klima ohne lange Trockenphasen
    • kein zu kaltes oder zu warmes Klima
    • keine Spätfröste

Bildergalerie

Zweig einer Weißtanne

Zweig einer Weißtanne
(Foto: G. Aas)

Gipfel mit grünen Zapfen einer Weißtanne

Zapfen einer Weißtanne
(Foto: G. Aas)

Rinde der Weißtanne

Rinde der Weißtanne
(Foto: J. Böhm)

Waldbau

Das natürliche Verjüngungspotential der Weißtanne ist hoch. Am besten gedeiht sie, wenn sie unter dem Altbestand aus natürlicher Verjüngung starten kann. Wenn das nicht geht, weil keine Alttannen in der Nähe sind und sie gesät oder gepflanzt werden muss, empfiehlt sich die truppweise Einbringung unter dem Altholzschirm. So kann sie den nötigen Wuchsvorsprung vor anderen Baumarten nutzen.

Je nach Standort wird sie mit Buche, Fichte oder Edellaubhölzern gemischt. Nach der Jugendphase ist mit der Förderung besonders vitaler Einzelbäume zu beginnen, um den Zuwachs dieser zu fördern. Ob eine Wertastung sinnvoll ist, muss von Fall zu Fall geprüft werden.

Gefahren für die Weißtanne

Die größte Gefährdung geht von zu hohen Reh-, Rot- und Gamswildbeständen aus. Gegenüber Schadorganismen wie Pilzen oder Insekten ist die Weißtanne robust. Es gibt einige auf Tanne spezialisierte Borkenkäfer, großflächige Schäden sind aber selten.

Der Befall von Weißtanne mit Stamm- oder Triebläusen kann gefährlich werden. Ebenso besteht bei der Tanne eine Gefährdung gegenüber Spätfrost und Frosttrockenheit. Die Tanne ist anfälliger gegenüber Luftschadstoffen, insbesondere Schwefelverbindungen, als andere Baumarten. Mit der Verbesserung der Luftreinheit der vergangen Jahrzehnte sind die Belastungen jedoch zurückgegangen.

Gefahren für den Wald und mögliche Schäden

Klimaaussichten

Die Weißtanne erträgt sommerliche Trockenheit besser als die Fichte. Auf passenden Standorten ist sie eine wertvolle Baumart auch im Klimawandel.

Der Wald in Zeiten des Klimawandels

Holznutzung

Ähnlich dem Fichtenholz ist das Holz der Weißtanne sehr vielfältig verwendbar, nur ein wenig heller. Unter Lichteinfluss dunkelt es aber ohne Behandlung nach. Verwendung findet Tannenholz als Bau- und Konstruktionsholz, im Innenbereich zur Herstellung von Möbeln, Spielwaren und Dielen. Auch im Musikinstrumentenbau und bei der Papierherstellung wird Tannenholz eingesetzt.

Der Holzmarkt – von regional bis global

Hätten Sie es gewusst?

Die Weißtanne ist der Inbegriff des Weihnachtsbaums. Die Tradition entstammt noch aus vorchristlicher Zeit und wurde erst später in das christliche Weihnachtsfest integriert. Heutzutage sind jedoch die meisten Weihnachtsbäume Nordmanntannen, eine aus dem Kaukasus eingeführte Tannenart.

Die sogenannten Holländertannen stammen aus dem Schwarzwald oder Frankenwald. Die besonders langen und geraden Stämme wurden beim Bau der holländischen Schiffsflotte im 17. und 19 Jahrhundert verwendet. Der Transport erfolgte mittels Flößerei über den Rhein und seinen Zuflüsse.

Asthmatikern wird empfohlen Tannenzweige über Nacht ins Schlafzimmer zu legen.

Tee aus den frischen Tannentrieben soll bei Husten und dem Hals im allgemeinen Helfen.

Vorherige Nächste

Weitere Informationen

Zeichnung eines bayerischen Forstbeamten (Grafik: N. Maushake)
Unser Tipp:

Fragen kostet nichts! Unsere Beratungsförster/innen helfen bei Fragen zur Baumartenwahl gerne weiter. Mit unserem praktischen Försterfinder können auch Sie schnell Ihren zuständigen Förster finden. 

Ihr Förster vor Ort

Zurück zu:
Die Fichte
Weiter zu:
Die Waldkiefer